Ein Blick auf iOS 18: Die Barrierefreiheitsfunktionen von Apple
Mit iOS 18 führt Apple barrierefreie Funktionen mit KI ein, etwa Eye Tracking, Music Haptics und Vocal Shortcuts, die Menschen mit Behinderungen unterstützen.
Abirami Vina8 Min. Lesezeit
Am 15. Mai 2024 kündigte Apple eine Reihe bevorstehender Aktualisierungen für iOS 18 an, bei denen Barrierefreiheit im Mittelpunkt steht. Die für später in diesem Jahr geplanten Neuerungen von Apple umfassen innovative Funktionen wie Eye Tracking, Musik-Haptik und Sprachkurzbefehle.
Diese Bedienungshilfen von Apple erleichtern Menschen mit eingeschränkter Mobilität, gehörlosen und sehbehinderten Menschen sowie Menschen mit Sprachschwierigkeiten die Nutzung von Apple-Geräten. Apple Silicon, künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen bilden die technologische Grundlage dieser Funktionen. Sehen wir uns die neuen Funktionen von Apple und ihre Auswirkungen auf den Alltag an.
Die Bedeutung von Inklusion#
Als Gesellschaft müssen wir sicherstellen, dass alle von unseren technologischen Fortschritten profitieren können. Technologie zugänglich zu machen, kann das Leben vieler Menschen verändern. Technik spielt heutzutage beispielsweise in fast jedem Beruf eine große Rolle, doch unzugängliche Benutzeroberflächen können für Menschen mit Behinderungen berufliche Hindernisse schaffen. Studien haben gezeigt, dass die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderungen 2018 fast doppelt so hoch war wie die von Menschen ohne Behinderungen.
Auch die Rechtssysteme befassen sich mit der Frage, wie Technologie barrierefrei gestaltet werden kann. Viele Länder haben Gesetze eingeführt, die Barrierefreiheitsstandards für Websites und digitale Produkte vorschreiben. In den USA ist die Zahl der Klagen im Zusammenhang mit der Barrierefreiheit von Websites stetig gestiegen: Von 2017 bis 2022 wurden rund 14.000 Klagen eingereicht, davon allein über 3.000 im Jahr 2022. Unabhängig von gesetzlichen Vorgaben ist Barrierefreiheit entscheidend für eine inklusive Gesellschaft, an der alle uneingeschränkt teilhaben können. Hier kommen die folgenden Bedienungshilfen von Apple ins Spiel.
Frühere Bedienungshilfen von Apple#
Apple arbeitet seit 2009 daran, Technologie für alle zugänglich zu machen. In jenem Jahr führte das Unternehmen VoiceOver ein, eine Funktion, mit der blinde und sehbehinderte Nutzerinnen und Nutzer ihr iPhone mithilfe von Gesten und akustischem Feedback bedienen konnten. Indem VoiceOver Bildschirminhalte vorliest, erleichtert es die Interaktion mit den Geräten.

Abb. 1. Du kannst VoiceOver von Apple an deine Bedürfnisse anpassen.
Seitdem hat Apple seine Bedienungshilfen kontinuierlich verbessert und erweitert. Dazu gehören Zoom zur Bildschirmlupenfunktion, Farben umkehren für besseren visuellen Kontrast und Mono-Audio für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen. Diese Funktionen haben die Interaktion von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen mit ihren Geräten deutlich verbessert.
Hier findest du einen genaueren Überblick über einige der wichtigsten früheren Bedienungshilfen von Apple:
- Farben umkehren: Verbessert den visuellen Kontrast durch Umkehren der Farben und erleichtert Menschen mit bestimmten Sehbeeinträchtigungen so das Erkennen von Texten und Bildern.
- Mono-Audio: Fasst Stereoton zu einem Kanal zusammen und hilft Menschen mit Hörverlust auf einem Ohr, Audio klarer wahrzunehmen.
- AssistiveTouch: Unterstützt Menschen mit körperlichen Behinderungen dabei, komplexe Touch-Gesten über ein anpassbares Menü auf dem Bildschirm auszuführen.
- Schaltersteuerung: Ermöglicht Menschen mit motorischen Beeinträchtigungen, ihre Geräte mithilfe externer Schalter zu bedienen, beispielsweise mit am Kopf befestigten Schaltern oder Mundschaltern.
Wie Eye Tracking von Apple die Benutzerfreundlichkeit verbessert#
Menschen mit eingeschränkter Handbeweglichkeit können jetzt ganz einfach im Internet surfen, Nachrichten senden oder sogar Smart-Home-Geräte steuern, indem sie einfach auf den Bildschirm schauen. Diese Fortschritte erleichtern ihnen den Alltag und ermöglichen es ihnen, Aufgaben selbstständig zu erledigen, die ihnen zuvor schwerfielen.
Eine weitere spannende, bald verfügbare Bedienungshilfe von Apple ist Eye Tracking, das dies möglich macht. Eye Tracking wurde für Menschen mit körperlichen Behinderungen entwickelt und ermöglicht die freihändige Bedienung von iPads und iPhones. Mithilfe von KI und der Frontkamera kann das System erkennen, wohin du schaust, sodass du mühelos Schaltflächen, Wischgesten und andere Gesten ausführen kannst.

Abb. 2 Mit Eye Tracking ein iPad bedienen, ohne es tatsächlich zu berühren.
Die Frontkamera richtet Eye Tracking ein und kalibriert die Funktion in wenigen Sekunden. Mit der Verweildauersteuerung kannst du mit App-Elementen interagieren und Funktionen wie Schaltflächen und Wischgesten allein mit deinen Augen nutzen. Nutzerinnen und Nutzer können darauf vertrauen, dass ihre Privatsphäre geschützt ist, denn das Gerät verarbeitet alle Daten sicher direkt auf dem Gerät mithilfe von maschinellem Lernen. Eye Tracking funktioniert in iPadOS- und iOS-Apps, ohne dass zusätzliche Hardware oder Zubehör erforderlich ist. Auch visionOS auf Apple Vision Pro bietet eine Funktion zur Blicksteuerung für eine einfache Navigation.
Den Rhythmus mit Apple Music Haptics spüren#
Music Haptics ist eine weitere der bald erscheinenden Bedienungshilfen von Apple. Die Funktion wurde entwickelt, damit gehörlose und schwerhörige Nutzer Musik auf ihrem iPhone erleben können. Bei der Nutzung erzeugt die Taptic Engine Klopfimpulse, Texturen und feine Vibrationen, die mit dem Ton synchronisiert sind. So kannst du den Rhythmus und die Nuancen der Musik spüren. Dank der Taptic Engine, die Vibrationen in verschiedenen Intensitäten, Mustern und Dauern erzeugen kann, lässt sich das Gefühl der Musik sehr differenziert vermitteln.

Abb. 3 Music Haptics macht Musik zugänglicher.
Music Haptics kann schwerhörigen Menschen auf eine bisher nicht mögliche Weise Zugang zu Musik verschaffen. Dadurch eröffnet sich ihnen eine Welt neuer Erlebnisse im Alltag. Beim Musikhören joggen zu gehen oder einen Song mit einem Freund zu genießen, wird zu einem gemeinsamen, intensiven Erlebnis. Die Vibrationen können sich dem Rhythmus einer Trainingsplaylist anpassen und so das Training motivierender gestalten oder mit einem Lieblingslied zur Meditation dabei helfen, Anspannung abzubauen. Music Haptics unterstützt Millionen von Songs im Apple Music-Katalog und wird Entwicklern als API zur Verfügung stehen, damit sie barrierefreiere Apps entwickeln können.
Mühelose Steuerung mit den Sprachkurzbefehlen von Apple#
Unter den neuen Bedienungshilfen hat Apple Vocal Shortcuts entwickelt, um die Spracherkennung mithilfe von KI zu verbessern. Damit können Nutzerinnen und Nutzer von iPhone und iPad „eigene Äußerungen“ erstellen, mit denen Siri Kurzbefehle starten und komplexe Aufgaben verwalten kann. Das ist besonders hilfreich für Menschen mit Erkrankungen wie Zerebralparese, ALS oder nach einem Schlaganfall.

Abb. 4 Sprachkurzbefehle nutzen KI für eine fortschrittliche Erkennung.
Die Funktion „Auf atypische Sprache achten“ nutzt maschinelles Lernen direkt auf dem Gerät, um verschiedene Sprachmuster zu erkennen und sich darauf einzustellen. So werden Aufgaben wie das Senden von Nachrichten oder das Festlegen von Erinnerungen erleichtert. Vocal Shortcuts unterstützt benutzerdefinierte Vokabulare und komplexe Wörter und ermöglicht dadurch eine personalisierte und effiziente Nutzung.
Autofahrten mit Apple barrierefreier gestalten#
Außerdem gibt es einige neue Bedienungshilfen von Apple, die es Mitfahrern erleichtern, ihre Geräte unterwegs komfortabler zu nutzen. So hilft die neue Funktion „Fahrzeug-Bewegungshinweise“ auf iPhone und iPad, Reisekrankheit bei Fahrgästen in fahrenden Fahrzeugen zu verringern.
Reisekrankheit entsteht oft durch einen sensorischen Widerspruch zwischen dem, was eine Person sieht, und dem, was sie fühlt. Dadurch wird die Gerätenutzung während der Fahrt unangenehm. „Fahrzeug-Bewegungshinweise“ wirkt dem entgegen, indem animierte Punkte an den Bildschirmrändern Veränderungen der Fahrzeugbewegung darstellen. So wird der sensorische Konflikt verringert, ohne die Hauptinhalte zu beeinträchtigen. Die Funktion nutzt die integrierten Sensoren von iPhone und iPad, um zu erkennen, ob sich ein Nutzer in einem fahrenden Fahrzeug befindet, und passt die Anzeige entsprechend an.

Abb. 5 Fahrzeug-Bewegungshinweise erleichtern allen die Gerätenutzung auf langen Autofahrten.
Auch CarPlay wurde mit Updates zur Verbesserung der Barrierefreiheit ausgestattet. Mit der Sprachsteuerung können Nutzer CarPlay und seine Apps per Sprachbefehl bedienen, während die Geräuscherkennung gehörlose und schwerhörige Menschen auf Autohupen und Sirenen aufmerksam macht. Für farbenblinde Nutzer verbessern Farbfilter die visuelle Bedienbarkeit der CarPlay-Oberfläche. Diese Verbesserungen sorgen dafür, dass sich alle Mitfahrer während der Autofahrt wohler fühlen.
Echtzeit-Untertitel für VisionOS#
Apple Vision Pro bietet bereits Bedienungshilfen von Apple wie Untertitel, erweiterte Untertitel und Transkriptionen, mit denen Nutzer Audio- und Videoinhalten besser folgen können. Jetzt baut Apple diese Funktionen weiter aus. Die neue KI-gestützte Funktion „Live-Untertitel“ ermöglicht es allen, gesprochene Dialoge in Live-Gesprächen und Audioinhalte aus Apps in Echtzeit als Text auf dem Bildschirm zu verfolgen. Das ist besonders hilfreich für gehörlose und schwerhörige Menschen.
Bei einem FaceTime-Anruf in visionOS können Nutzerinnen und Nutzer beispielsweise den gesprochenen Dialog als Text auf dem Bildschirm sehen. Das erleichtert die Verbindung und Zusammenarbeit mithilfe ihrer Persona, eines computergenerierten virtuellen Avatars.
KI macht die Welt barrierefreier#
Ähnlich wie Apple setzen auch viele andere Unternehmen aktiv auf Forschung und Innovation im Bereich KI, um barrierefreie Lösungen zu entwickeln. Zum Beispiel können KI-gestützte autonome Fahrzeuge Menschen mit eingeschränkter Mobilität mehr Unabhängigkeit ermöglichen, indem sie selbstständiges Autofahren erleichtern. Bisher konnten Menschen mit Behinderungen mithilfe speziell umgebauter Fahrzeuge fahren, die beispielsweise mit Handbedienungen, Lenkhilfen und rollstuhlgerechter Ausstattung angepasst waren. Durch die Integration von KI-Technologien wie Computer Vision können diese Fahrzeuge jetzt noch mehr Unterstützung bieten.

Abb. 6 Vision AI unterstützt die Umfelderfassung autonomer Fahrzeuge.
Teslas Autopilot ist ein gutes Beispiel für KI-gestützte Fahrassistenz. Das System nutzt fortschrittliche Sensoren und Kameras, um Hindernisse zu erkennen, Verkehrssignale zu interpretieren und Navigationshilfe in Echtzeit bereitzustellen. Mithilfe dieser KI-Daten kann das Fahrzeug verschiedene Fahraufgaben übernehmen, etwa die Spur halten und die Geschwindigkeit an die Verkehrslage anpassen. Erkenntnisse aus Computer Vision machen das Fahrerlebnis für alle sicherer und barrierefreier.
Ein neues Zeitalter KI-gestützter Inklusion#
Mit diesen neuen Updates von Apple nimmt eine neue Ära der KI-gestützten Inklusion Gestalt an. Durch die Integration von KI in seine Bedienungshilfen erleichtert Apple Menschen mit Behinderungen alltägliche Aufgaben und fördert Inklusion und Innovation in der Technologie. Diese Fortschritte werden verschiedene Märkte beeinflussen: Technologieunternehmen werden neue Maßstäbe für Inklusion setzen, das Gesundheitswesen wird von größerer Selbstständigkeit für Menschen mit Behinderungen profitieren, und die Nachfrage nach barrierefreien Geräten in der Unterhaltungselektronik wird steigen. Wahrscheinlich wird die Technologie der Zukunft allen ein barrierefreies Nutzungserlebnis bieten.
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